§2 Justizreform & Bundesstaatsanwalt · ANALYSE
Wie die Cofag besetzt wurde
Die Postenbesetzungen in der Covid-Finanzierungsagentur Österreichs zeigen, wie eng grüne Regierungsbeteiligung und Verwaltungskultur zusammenhängen.
Recherche, Netzwerkanalyse · 17. April 2026 · 2 min Lesezeit
Die Cofag verwaltete in der Pandemie über 20 Milliarden Euro an Hilfen. Wer dort Geschäftsführer wurde — und auf welchem Weg —, ist ein Lehrstück über Postenbesetzungen jenseits der Standard-Ausschreibung.
Wenn man verstehen will, wie unspektakulär eine Causa anfangen kann und wie groß sie werden kann, ist die Cofag ein gutes Beispiel. Die Covid-19-Finanzierungsagentur Österreichs wurde im März 2020 binnen weniger Tage als 100-prozentige Tochter der Bundes-ABBAG aufgesetzt. Aufgabe: Hilfen an Unternehmen während der Pandemie auszuzahlen. Volumen über die gesamte Laufzeit: rund 19 Milliarden Euro Zuschüsse, plus Garantien und Kredite.
Die Bestellung von Bernhard Perner und Marc Schimpel
Geschäftsführer wurden Bernhard Perner und Marc Schimpel — beide ohne Ausschreibung, beide direkt aus dem Umfeld bestehender ABBAG-Strukturen. Politisch verantwortlich für die Cofag war von Anfang an das Finanzministerium (damals unter ÖVP-Minister Gernot Blümel) und das Vizekanzleramt (Werner Kogler, Grüne) gemeinsam — die Weisungslinie aber lief über die Bundesholding und damit über das BMF.
Die WKStA leitete 2023 ein Verfahren ein, das insbesondere die Bestellungen, die Compliance der Cofag und die Frage interner Interessenskonflikte zum Gegenstand hatte. 1 Das ist nicht ungewöhnlich für politisch heikle Bestellungen — aber es passt nicht zur grünen Selbstdarstellung als „Compliance-Korrektiv” innerhalb der Bundesregierung.
Der Rechnungshofbericht und die strukturelle Schwäche
Der Rechnungshof legte 2023 einen Bericht zur Cofag vor, der nicht primär die Geschäftsführer-Bestellung kritisiert, sondern die strukturelle Konstruktion: Eine GmbH unter Aufsicht des Finanzministeriums, ohne klassische Ausgliederungs-Kontrollmechanismen, ohne Volkanwaltschafts-Zuständigkeit, und mit einer Beraterhonorar-Praxis, die der Rechnungshof als „nicht angemessen” qualifizierte.
Die Cofag wurde als GmbH organisiert und entzog sich damit zentralen Kontrollmechanismen der staatlichen Verwaltung. Diese Konstruktion war zwar rechtlich zulässig, aber für die Verwaltung von 19 Milliarden Euro an Steuermitteln nicht angemessen.
Was das mit grüner Regierungsbeteiligung zu tun hat
Die Causa Cofag ist deshalb interessant, weil sie zeigt, wie schnell eine Reform-Partei in Verwaltungsroutinen einrutscht, die sie in Opposition als Skandal kommuniziert hätte. Ohne Ausschreibung besetzte Schlüsselpositionen, eine Konstruktion außerhalb der klassischen Kontrolle, und eine Aufarbeitung, die die Grünen als Koalitionspartner nicht aktiv vorantrieben, sondern aussaßen — bis der Rechnungshof und die WKStA das Problem öffentlich machten.
Die strukturelle Frage ist nicht: Wer war schuld? Sondern: Warum hat eine Partei mit explizitem Compliance-Anspruch hier nicht früher und lauter widersprochen?
Die Cofag wurde 2024 abgewickelt. Die Verfahren laufen. Eine ehrliche Reform-Politik müsste die Konstruktion solcher Sonder-GmbHs grundsätzlich neu denken — eine Aufgabe, die parteienübergreifend ist, an der die Grünen aber wegen ihrer Selbstpositionierung besonders zu messen sind.
- 1. WKStA-Vorerhebungsakt 24 St 87/23z, Aktennotiz Kabinett VK vom 12.04.2022, zit. nach „Profil” 7/2024.