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Mi., 3. Juni

Investigativ · BEITRAG

Brisante Dokumente: Wie ein Wiener Asylverein jahrelang Behörden und Gerichte täuschte

Erfundene Asylgründe und Absprachen

Gernot Rohrhofer

Von Gernot Rohrhofer

Redaktionsleiter · 31. Mai 2026 · 3 min Lesezeit

Screenshot aus den Unterlagen eines Wiener Asylvereins
Screenshot aus den Unterlagen eines Wiener Asylvereins · Gernot Rohrhofer / Screenshot

Ein Wiener Asylverein dürfte Behörden und Gerichte über Jahre hinweg getäuscht haben. Das legen 11.500 Dokumente nahe, die für das Buch “Im Namen der Republik” ausgewertet wurden. Unter anderem geht es um Absprachen mit Richtern, Botschaftsmitarbeitern und Sachverständigen sowie um Verfahren, die mutwillig in die Länge gezogen wurden.

Die Dokumente bilden einen Zeitraum von mehr als zehn Jahren ab und deuten auf einen massiven Missbrauch des Asylsystems hin. Fast 600 “Aktennotizen”, “Arbeitsblätter”, “Notizen” und “To-do-Listen”, die sich unter den 11.500 Dokumenten befinden, zeigen, mit welchen Methoden Flüchtlingen zu einem Aufenthaltstitel verholfen wurde.

Unter anderem geht es um gefälschte Dokumente, Behördentermine, die „klugerweise ignoriert wurden“ oder Akten, die man „ruhen“ ließ. Viele Flüchtlinge, die von dem Verein betreut wurden, hielten sich illegal in Österreich auf oder wurden während ihres Aufenthalts bis zu fünf Mal gerichtlich verurteilt.

Screenshot aus den Dokumenten des Wiener Asylvereins

Flüchtlinge wollten “eventuell gay” werden

Die Dokumente zeigen, mit welcher Akribie versucht wurde, jedes noch so kleine Schlupfloch zu nutzen. Um Fluchtgründe darzulegen, spielten gezielte Eheschließungen ebenso eine Rolle wie die Zeugung von Kindern oder die sexuelle Orientierung. Mehrmals findet sich in den Unterlagen der Vermerk, dass Flüchtlinge “eventuell gay werden wollen”. Ein ähnliches System deckten Journalisten der BBC erst vor wenigen Wochen in Großbritannien auf. Dort wurden Flüchtlinge von Juristen animiert, Homosexualität vorzutäuschen.

Screenshot aus den Dokumenten des Wiener Asylvereins

Der rechtliche Hintergrund: Werden homosexuelle Menschen in ihren Heimatländern wegen ihrer sexuellen Orientierung verfolgt und besteht die Gefahr, dass sie an Leib, Leben oder Freiheit verletzt, strafrechtlich verfolgt oder einer unmenschlichen oder erniedrigenden Behandlung oder Bestrafung unterworfen werden, haben diese gute Chancen auf Asyl. In Brunei, Mauretanien, Nigeria, Saudi-Arabien und Uganda sowie im Iran und Jemen sind gleichgeschlechtliche Handlungen jedenfalls mit der Todesstrafe zu verfolgen. In Afghanistan, Pakistan, Katar, Somalia und den Vereinigten Arabischen Emiraten kann die Todesstrafe ausgesprochen werden.

“Deals” mit Richtern des BVwG

Einen besonders guten Draht dürften einzelne Mitarbeiter des Asylvereins zu Richtern des Bundesverwaltungsgerichtes (BVwG) gehabt haben. Mehrere Einträge deuten darauf hin, dass es “Deals” bei Beschwerden gegen negative erstinstanzliche Asylbescheide des Bundesamtes für Fremdenwesen und Asyl (BFA) gab. Über derartige Beschwerden entscheidet in Österreich das Bundesverwaltungsgericht und dort dürften mehrere Richter bereit gewesen sein, einen Aufenthaltstitel aus humanitären Gründen zu verleihen, wenn der Asylverein auf eine umfangreiche Beschwerde gegen den ablehnenden Bescheid erster Instanz verzichtete.

Screenshot aus den Dokumenten des Wiener Asylvereins

Wie aus einer “Superliste” hervorgeht, die sich ebenfalls unter den 11.500 Dokumenten befindet, dürfte es aber nicht nur Absprachen mit Richtern des BVwG, sondern auch mit Sachverständigen und Botschaftsmitarbeitern gegeben haben. Bei einer Psychologin - sie praktiziert nach wie vor in Wien - konnte man „im Vorhinein sagen, was etwa drinnen stehen soll“. Einer der Botschaftsmitarbeiter soll dafür gesorgt haben, dass sogenannte Heimreisezertifikate nicht ausgestellt wurden. Diese Zertifikate sind notwendig, damit abgelehnte Asylwerber, die über kein Reisedokument verfügen, in ihre Herkunftsländer zurückgeführt werden können. 

Brisante Anzeige an WKStA

Die brisanten Dokumente aus dem Wiener Asylverein gelangten bereits vor mehreren Jahren in die Hände eines Innsbrucker Asylrichters. Dazu kam eine schwer belastende Aussage einer ehemaligen Mitarbeiterin des Vereins, weshalb der Richter im Dezember 2019 Anzeige bei der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) erstattete. Warum die WKStA das Verfahren trotz der Brisanz der Vorwürfe an die Staatsanwaltschaft Wien abtrat, ist unklar. Aus Beweisgründen wurden die Ermittlungen im Frühjahr 2021 eingestellt. Mit Blick auf die 11.500 Dokumente eine schwer nachvollziehbare Entscheidung.

Der Artikel basiert auf dem Buch “Im Namen der Republik”, das am 29. Mai 2026 im Seifert Verlag erschienen ist und massive Missstände im österreichischen Asylwesen aufzeigt.

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