Investigativ · BEITRAG
"Syrmenier": Mehr als 300 Fälle von Sozialleistungsbetrug
Armenier gaben sich als Syrer aus
Von Gernot Rohrhofer
Redaktionsleiter · 29. Mai 2026 · 1 min Lesezeit

Dem Bundeskriminalamt (BK) ist ein Schlag gegen den Sozialleistungsbetrug gelungen. Armenier, die sich als syrische Flüchtlinge ausgegeben haben, bezogen über Jahre hinweg unrechtmäßig Sozialleistungen. Mehr als 300 Fälle wurden zur Anzeige gebracht.
“Das genaue Ausmaß des Schadens ist noch unklar, die Dimension aber enorm”, sagt Gerald Tatzgern, der im Bundeskriminalamt das Joint Operational Office Vienna against Human Smuggling and Human Trafficking (JOO) leitet. Wegen ihrer armenischen Herkunft werden die Verdächtigen, die sich als syrische Flüchtlinge ausgaben, “Syrmenier” genannt. “Da geht es um Menschen, die fünf oder sechs Jahre in Österreich waren, aber auch um Menschen, die noch vor dem Einsetzen der Migrationskrise nach Österreich gekommen sind.“
Aberkennungsverfahren und erste Strafen
Mehr als 300 Fälle wurden seit Bekanntwerden des Phänomens zur Anzeige gebracht. Zusätzlich zu zahlreichen Aberkennungsverfahren gab es bereits erste Verurteilungen wegen Betruges oder schweren Betruges, „weil die Beschuldigten Unterstützungsleistungen bezogen, die ihnen nicht zustanden“, erklärt Tatzgern.
Auf die Spur kam man den „Syrmeniern“ in Zusammenarbeit mit den armenischen Behörden. „Abfragen, die wir dort gestellt haben, ergaben, dass die Menschen, die sich in Österreich als Syrer ausgegeben hatten, in Armenien gemeldet waren, dort Geschäfte betrieben haben oder einer anderen Arbeit nachgegangen waren“, so JOO-Leiter Gerald Tatzgern. Dass die „Syrmenier“ den Staat jahrelang täuschen konnten, hatte damit zu tun, „dass viele dieser Armenier in Syrien gelebt und sich den Syrern sprachlich angepasst haben. Dadurch haben sie ihre eigentliche Herkunft verschleiert.“ Zu klären sei noch, „ob es sich bei den ‚Syrmeniern‘ um ein Geschäftsmodell oder ‚nur‘ um Mundpropaganda gehandelt hat.“
Verzwölffachung der Betrugsfälle
Der Betrug mit Sozialleistungen beschäftigt das Bundeskriminalamt zusehends. Zwischen 2016 und 2025 verzwölffachte sich die Zahl der Fälle. Die „Task Force Sozialleistungsbetrug“, die 2018 eingerichtet wurde, deckte seit ihrer Gründung einen Schaden von 158 Millionen Euro auf. 2025 konnten 6.191 Verdächtige ausgeforscht werden, „wobei davon 75 Prozent keine Österreicher waren“, so Tatzgern.
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