Macht & Recht

Hinter den Kulissen der Justiz

Fr., 24. Juli

Investigativ · BEITRAG

Leichenfotos von Christian Pilnacek: Ermittlungen eingestellt

Keine strafbare Handlung

Gernot Rohrhofer

Von Gernot Rohrhofer

Redaktionsleiter · · 4 min Lesezeit

Dokument aus dem Ermittlungsakt
Dokument aus dem Ermittlungsakt · Macht & Recht

Die Staatsanwaltschaft Linz ermittelt nicht länger im Zusammenhang mit den Leichenfotos von Christian Pilnacek. Das Verfahren wurde eingestellt. “Servus TV” hatte die Bilder einem deutschen Gerichtsmediziner vorgelegt, der daraufhin sämtliche Mordtheorien vom Tisch wischte.

“Das sind allesamt Bagatellverletzungen. Keine der Verletzungen ist geeignet, den Tod zu erklären”, sagte der der Leiter der Gerichtsmedizin Duisburg, Peter Gabriel, am 25. September 2025 auf “Servus TV”. Mit seinem Befund entzog er den Spekulationen, dass der frühere Sektionschef Christian Pilnacek getötet worden sein könnte, jegliche Grundlage.

Umfangreiche Erfahrung mit Wasserleichen

Gabriel und seine Kollegen führen in Duisburg jedes Jahr zwischen 700 und 800 Obduktionen durch, in etwa 50 Fällen handelt es sich um Menschen, die im Rhein ertrunken sind. Im Fall Pilnacek ist Gabriel der einzige externe Gerichtsmediziner, der die brisanten Leichenfotos zu Gesicht bekam. “Servus TV” stellte ihm die Bilder zusätzlich zum rechtsmedizinischen Gutachten, das die Staatsanwaltschaft Krems in Auftrag gegeben hatte, zur Verfügung.

Die Gerichtsmediziner Stefano Longato und Michael Tsokos, die die Mordtheorie des ehemaligen grünen Nationalratsabgeordneten Peter Pilz stützen sollten, hatten keinen Zugang zu den Bildern. “Wenn man so etwas seriös begutachten will, muss man auch die vollständigen Unterlagen haben. Man muss Lichtbilder von der Obduktion und von den Verletzungen am Leichnam haben. Sonst kann man nicht die Verletzung, die Verletzungsschwere nicht richtig beurteilen”, sagte Gabriel.

Pilz reagierte mit schweren Vorwürfen

Für Peter Pilz, der den Fall Pilnacek mit seinen Theorien zu einem Kriminalfall machte und einen Untersuchungsausschuss lostrat, waren die Aussagen von Peter Gabriel ein Rückschlag. Als Reaktion auf die Ausstrahlung auf “Servus TV” schrieb er am 26. September 2025 auf seiner Plattform “ZackZack” von einem “Leak”. Wenige Tage später konkretisierte er seine Vorwürfe: “Mit den Leichenfotos könnte jetzt eine Grenze überschritten worden sein – zu den Paragrafen, die im Strafgesetzbuch die Verletzung des Amtsgeheimnisses und den Amtsmissbrauch regeln.”

Die Aufregung um Christian Pilnaceks Leichenfotos - neben “ZackZack” berichteten die “Kronen Zeitung” und das FPÖ-nahe Medium “Report24” - hatte eine parlamentarische Anfrage der FPÖ sowie Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zur Folge. Die Oberstaatsanwaltschaft Wien legte den Sachverhalt der Staatsanwaltschaft Krems zur Prüfung vor. Da Pilz der Staatsanwaltschaft Krems allerdings unterstellt hatte, an der Weitergabe der Fotos beteiligt gewesen zu sein, übertrug die Generalprokuratur das Verfahren am 9. Oktober 2026 der Staatsanwaltschaft Linz.

Die Ermittlungen wurden wegen des Verdachts der Verletzung einer Pflicht zur Geheimhaltung (§ 310 StGB) gegen unbekannte Täter geführt. Nun wurden sie “gemäß § 190 StPO” eingestellt, wie der stellvertretende Sprecher der Staatsanwaltschaft Linz, Florian Roitner, gegenüber “Macht & Recht” sagt.

Die Leichenfotos des verstorbenen Sektionschefs wurden weder von der Polizei noch von einer der involvierten Staatsanwaltschaften aus dem Sprengel der Oberstaatsanwaltschaft Wien weitergegeben. “Weder das Bundesministerium für Inneres noch die Generaldirektion für die öffentliche Sicherheit […] stellte Fotos der kriminalpolizeilichen Leichenschau sowie der Obduktion im Zusammenhang mit dem Todesfall des Herrn Mag. Pilnacek dem angeführten Fernsehsender zur Verfügung”, antwortete Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) auf die parlamentarische Anfrage der FPÖ.

In der Antwort von Justizministerin Anna Sporrer (SPÖ) hieß es: “Die Fotos der kriminalpolizeilichen Leichenbeschau sowie die Obduktionsfotos wurden weder durch das Bundesministerium für Justiz noch durch die zuständigen Staatsanwaltschaften einem Medienvertreter zur Verfügung gestellt […] Die angesprochenen Fotos standen neben den zuständigen Justizbehörden lediglich dem gerichtsmedizinischen Sachverständigen zur Verfügung und waren zwei im Ermittlungsverfahren als Opfer geführten Privatpersonen im Wege der Akteneinsicht zugänglich.” Eine dieser Personen war die Witwe von Christian Pilnacek, Caroline List. Sie stellte “Servus TV” die Leichenfotos für Recherchezwecke zur Verfügung.

Teures Nachspiel für “ZackZack”

Für die unwahren Behauptungen auf “ZackZack” wurde die Zack Media GmbH Anfang 2026 zu einer Entschädigung von 4.500 Euro, dem Ersatz der Verfahrenskosten und der Veröffentlichung der Urteils verurteilt. Peter Pilz - auch er wurde medienrechtlich belangt - unterwarf sich einem Vergleich, musste 2.000 Euro Entschädigung zahlen und die Verfahrenskosten übernehmen. Ein weiteres Urteil, mit dem erneut die Zack Media GmbH zu einer Entschädigung von 1.000 Euro und dem Ersatz der Verfahrenskosten verurteilt wurde, ist noch nicht rechtskräftig.

Von einigen seiner Theorien ist Pilz mittlerweile abgerückt. Als Auskunftsperson im Untersuchungsausschuss sagte er: „Es ist ein völliger Unsinn, ein politisches Mordkomplott zu konstruieren.” Seine Kritik an der Arbeit der Polizei hielt er aber aufrecht: “Meiner Meinung nach deutet alles auf erstaunlich schlechte Polizeiarbeit hin, und zwar auf beängstigend schlechte Polizeiarbeit.” In seinem zweiten Buch zum Fall Pilnacek (“Spuren im Schlamm”) schoss er sich vor allem auf Bundespolizeidirektor Michael Takacs, die Oberstaatsanwaltschaft Wien und deren Leiter Johann Fuchs ein.

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