Macht & Recht

Hinter den Kulissen der Justiz

Sa., 26. September

Analyse · BEITRAG

Wie Gerhard Zeiler seine Genossen überrumpelte

Machtkampf in der SPÖ

Ida Metzger

Von Ida Metzger

Innenpolitikjournalistin · · 2 min Lesezeit

Wie Gerhard Zeiler seine Genossen überrumpelte
SPÖ / Visnjic

Am Donnerstag feierte die Parteispitze noch Geburtstag, zwölf Stunden später stand die Kampfansage. Warum im Tauziehen um den SPÖ-Vorsitz nicht einmal enge Genossen eingeweiht waren.

Aufgetischt wurde das traditionelle Schafbratl. Wirt Adi Lercher servierte es am Donnerstag, 24. September 2026, im mehr als 500 Jahre alten Gasthaus im steirischen Murtal. Anlass für das “Aufbrateln“: SPÖ-Steiermark-Chef Max Lercher feierte seinen 40er. Zur zünftigen Geburtstagsparty kamen unter anderem SPÖ-Klubobmann Philip Kucher und Staatssekretär Jörg Leichtfried. Ein urig-lockerer Abend unter Genossen, an dem trotzdem nur eine Frage die Runde machte: “Was ist jetzt mit dem Zeiler? Kommt er oder kommt er nicht?“

Die SPÖ-Granden winkten ab. Die Zeit für einen Wechsel sei nicht reif. Kucher, Lercher und Leichtfried waren offenbar ahnungslos, was zwölf Stunden später passieren sollte. Geplant war der Auftakt für Sonntag: Erst das Interview mit der “Krone Zeitung“, am Abend die “ZiB 2”. Dann kam ein Fernsehauftritt dazwischen. Der ehemalige Journalist und Zeiler-Vertraute Peter Pelinka kündigte Freitagvormittag auf “Puls 4” an, dass Zeiler in den nächsten Tagen Stellung nehmen werde. War das abgesprochen, oder hat er sich vertratscht? Insider tippen auf Letzteres. Damit war der Zeitplan hinfällig, Zeiler musste zwei Tage früher raus.

Riss im Burgenland

Drei Stunden später war es fix: Medienmanager Gerhard Zeiler fordert SPÖ-Chef Andreas Babler heraus. “Ich bin die richtige Person, um die Partei aus diesem historischen Tief herauszuholen“, verkündete er im Interview mit der “Kronen Zeitung“. Babler stellt auf stur, den Chefsessel will er nicht freiwillig räumen. Bleibt er standfest, entscheiden die Mitglieder, wer die SPÖ künftig führt. Zeiler soll alle Landesorganisationen hinter sich haben, nur nicht das Burgenland.

Was war passiert? Im Machtkampf Doskozil gegen Pamela Rendi-Wagner kündigte Gerhard Zeiler an, er werde aus der Partei austreten, sollte Hans Peter Doskozil Parteichef werden. Doskozil sei kein richtiger Sozialdemokrat. Solche Sätze vergisst der Burgenländer nicht. Ist der Landeshauptmann einmal sauer, bleibt er es in alle Ewigkeit. Verzeihen gehört nicht zu seinen Stärken. Diesen Riss wird der heute 71-jährige Zeiler nicht mehr kitten können.

Alle auf Tauchstation

Überrumpelt wurde nicht nur die Parteispitze, auch die Gewerkschaft. Dort ist man über den Zeitpunkt alles andere als glücklich. “Das lief unprofessionell ab – so wird das nichts“, kritisiert ein hochrangiger Gewerkschafter. Ein weiteres Indiz für die Überraschung: Bis Freitagabend fand sich kein SPÖ-Grande, der Zeiler offiziell unterstützt. Alle gingen auf Tauchstation. Am Sonntag gibt Zeiler sein erstes “ZiB 2”-Interview. Das wird die Feuertaufe. Absolviert er sie souverän, wird sich der eine oder andere Landeschef aus der Deckung trauen. Bis dahin bleibt die Deckung gut besucht.

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