Analyse · BEITRAG
Florian Klenk zur Causa Pilnacek: "Peter Pilz ist kein Journalist, er ist Politiker"
Kritik an "ZackZack"-Herausgeber
Von Gernot Rohrhofer
Redaktionsleiter · · 3 min Lesezeit

Florian Klenk, Chefredakteur der Wiener Wochenzeitung “FALTER”, sieht Versäumnisse im Fall Pilnacek. Zugleich kritisiert er die Arbeitsweise von Peter Pilz. Der ehemalige Nationalratsabgeordnete der Grünen und nunmehrige Betreiber von “ZackZack” habe “eine Verschwörungstheorie gebaut”, so Klenk in einer Doku auf “Servus TV”.
Die Opposition nutzt den Fall Pilnacek politisch, Peter Pilz geschäftlich. Buchverkäufe, bezahlte Clubmitgliedschaften, Spendenaufrufe und ein Crowdfunding-Projekt bescherten der Zack Media GmbH von Pilz 2025 Einnahmen von knapp 800.000 Euro. Allerdings: Viele Theorien, mit denen der ehemalige Nationalratsabgeordnete den Tod des früheren Justiz-Sektionschefs zu einem Kriminalfall gemacht hat, stellten sich als falsch heraus – das gilt für das politisch motivierte Mordkomplott ebenso wie für die “türkise Polizeikette” oder den “Datenputztrupp der ÖVP”. Vier Polizisten, die sich gegen die Anschuldigungen von Pilz zur Wehr setzten, bekamen am 18. Dezember 2025 in erster Instanz echt: Die Zack Media GmbH wurde zu einer Entschädigungszahlung von 57.000 Euro und dem Ersatz der Verfahrenskosten verurteilt. Außerdem soll das Buch, in dem Pilz seine Behauptungen erhoben hatte, eingezogen werden.
„Nach dem festgestellten Sachverhalt war nicht davon auszugehen, dass Peter Pilz die ihm obliegenden journalistischen Sorgfaltspflichten im Zusammenhang mit dem inkriminierten Druckwerk eingehalten hätte“, hieß es in der Begründung der Urteils. Pilz hingegen sprach von einem “schweren Fall politischer Zensur” und kündigte bereits am 18. Dezember 2025 an, kein Gericht zu akzeptieren, “das auf Zensur statt Aufklärung” setze. Mittlerweile liegen sowohl die Berufung der Zack Media GmbH als auch die Gegenausführungen der Polizisten vor.
Zarte Kritik von Ex-Grünen-Chef Kogler
In einer knapp 50-minütigen Doku widmete sich am 6. August 2026 auch “Servus TV” den Praktiken von Peter Pilz. Pilz selbst wollte kein Interview geben, eine Drehgenehmigung für die Präsentation seines zweiten Pilnacek-Buches wurde im Nachhinein widerrufen. Stattdessen sagte der ehemalige Chef der Grünen, Werner Kogler: “Denken wir nur zurück: Noricum, Lucona, viele Dinge, die diese Republik - dadurch, dass sie aufgedeckt wurden - zu einer besseren und saubereren gemacht haben, hätte es nicht gegeben, hätte Peter Pilz nicht gearbeitet.” Aber, so Kogler: “Ob diese Methoden immer zum Ziel führen und gerechtfertigt sind, darf bezweifelt werden.”
Differenziert fällt auch das Urteil von “FALTER”-Chefredakteur Florian Klenk aus: “Ich glaube, dass es Versäumnisse der Polizei gibt und ich hätte es gut gefunden, wenn Peter Pilz sich auf diese Versäumnisse konzentriert hätte und nicht drumherum eine Verschwörungstheorie gebaut hätte. Und die hat er gebaut.” Pilz sei kein Journalist, sondern Politiker, so Klenk. “Und man muss ihm einfach den Vorwurf machen, dass da auch geschäftliche Interessen dahinterstanden.”
“Wurm hat ihm ein ‘Gschichtl’ druckt”
Mit seinem Buch und seinen Berichten auf „ZackZack“ löste Peter Pilz nicht nur einen Untersuchungsausschuss aus, sondern trieb auch die Justiz vor sich her. Viele seiner Theorien stützte er auf die Aussagen von Karin Wurm, der letzten Freundin von Christian Pilnacek. “Ich glaube, Peter Pilz hatte ein großes Problem und das Problem heißt Karin Wurm. Karin Wurm war seine Informantin und Karin Wurm hat ihm ein ‘Gschichtl’ druckt.”
Peter Pilz übernimmt die Aussagen von Karin Wurm offenbar ungeprüft. Aber auch viele Medien stellen weder die Behauptungen von Wurm noch von Pilz infrage: “Wenn selbst der ‘SPIEGEL’-Podcast die Geschichte von Peter Pilz praktisch 1:1 übernimmt, ohne dass dort Polizisten zu Wort kommen und das relativieren können, dann mache ich mir Sorgen, weil diese Art von Start-up-One-Man-Show-Journalismus, der nicht mehr redaktionell begleitet wird, in die Qualitätsmedien hinein sickert”, sagt Klenk.
“Standard” und “Kronen Zeitung” rührten die Werbetrommel
Die Folge, so der “FALTER”-Chef, seien Untersuchungsausschüsse, “die sich wochen- oder monatelang unter erheblichem Ressourceneinsatz mit so einem Thema beschäftigen und letztlich das Vertrauen in staatliche Institutionen schwächen. Aber nicht, weil die staatlichen Institutionen so schlecht gearbeitet haben, sondern weil man eine Verschwörungserzählung über sie erzählt.” Insbesondere der “Standard” und die “Kronen Zeitung” rührten wochenlang die Werbetrommel für Peter Pilz und sein erstes Pilnacek-Buch.
Zum Pilnacek-Untersuchungsausschuss, der im Herbst in die Verlängerung geht, sagt Klenk: “Es ist eigentlich der erste Ausschuss, der mich eher gelangweilt hat, weil, wenn man die Akten kennt, man wusste, da wird keine Smoking-Gun hervorkommen.”
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